Abwasseranlagen, CP-Anlagen

Industrielle Abwasseranlagen werden dazu eingesetzt, das in einem Industriebetrieb anfallende Abwasser chemisch-physikalisch (CP) zu behandeln, um die regulatorischen Anforderungen an die Einleitung des Abwassers in ein Gewässer oder eine kommunale Kläranlage zu erfüllen.

Jede auch nur geringe gewerblich industrielle Ingebrauchnahme von Wasser erzeugt auch Abwasser, dessen Einleitung behördlich zu genehmigen ist. Die Genehmigung der Abwasserbeseitigung erfolgt in der Regel nur, wenn das Wasser gem. den allgemein anerkannten Regeln der Technik (z.B. DWA-M 765) bzw. dem Stand der Technik (§ 3 Nummer 11 WHG iVm Anlage 1 Nr. 13 iVm BVT-Merkblättern) vorbehandelt ist. Dazu wird eine chemisch-physikalische Vorbehandlungsanlage benötigt, die das Abwasser in den jeweilig erforderlichen Abwasserteilströmen behandelt (z.B. Chrom(VI) Reduktion oder Cyan-Oxidation) und dann abschließend in eine gemeinsame Behandlung überführt, in der Regel in eine Hydroxidfällung mit einem Hilfsmittelzusatz in der Charge oder ggf. als Durchlaufanlage. Der daraus entstandene Hydroxidschlamm wird über eine Kammerfilterpresse oder einen Bandfilter abgetrennt und das Abwasser über einen Mehrschichtfilter geführt. Häufig erfolgt die abschließende Abreinigung über einen Selektivaustauscher um Restmetalle zu entfernen, ggf. mit pH-Anpassung vor und nach dem Selektivaustauscher. In der pH-Endkontrolle wird die Probenahme für die Eigenüberwachung und die anlagenbezogene staatliche Überwachung durchgeführt.

Industriebetreibe sind in der Regel einem der Industriezweige aus einem Anhang der AbwasserVO zuzuordnen (z.B. Anhang 40 für metallverarbeitende Betriebe) und müssen das Abwasser je nach der Art der Einleitung, direkt in ein Gewässer bzw. indirekt in die kommunale Kläranlage, hinsichtlich verschiedener Parameter aufbereiten. Für Direkteinleiter gilt der Teil C des jeweiligen Anhangs, für Indirekteinleiter stattdessen zusätzlich die Satzung der kommunalen Kläranlage.
Hinsichtlich der genehmigten Parameter wird die CP-Abwasseranlage betrieben. Eine Chrom(VI) Charge wird beispielsweise separat entgiftet, indem die Charge bei < pH 2,5 (temperaturkompensiert) mittels des Reduktionsmittels Natriumbisulfit zu Chrom(III) reduziert wird, wobei der pH-Wert stabilisiert wird. Anschließend wird das Chrom(III) in einer Chargenbehandlung ggf. zusammen mit weiteren Teilströmen, die Metallsalze enthalten, in einer Hydroxidfällung unter Zusatz von z.B. Flockungspolymer und Bentoniten in ein sedimentationsfähiges Fällungsprodukt überführt und ggf. in einen Schlammeindicker aufkonzentriert. Die Fest-/Flüssigtrennung erfolgt nach ggf. Klarwasserabzug in der Charge über einer Kammerfilterpresse bzw. einem Bandfilter. Die wässrige Phase wird über einen Mehrschichtfilter zu einem (ggf. extern zu regenerierenden) Selektivaustauscher, sog. Polizeifilter, mit einem IDE-Ionenaustauscherharz wie z.B. Lewatit TP 207 gepumpt, um die Einleitüberwachungswerte der regulatorischen Anforderungen einzuhalten. Dem Selektivaustauscher sind ggf. Ausrüstungen zur pH-Anpassung vor- und/oder nachgeschaltet.

Modular kann die CP-Abwasseranlage um weitere Filterstufen ergänzt werden, wie z.B. Aktivkohle, eine zusätzliche Eisenoxid-/hydroxidfilterstufe oder ein weiterer anionischer Selektivaustauscher um etwaige Organik, Komplexe oder PFC zu entfernen. Die Abwasseranlage kann weiterhin ggf. um Desinfektionsschritte, Oxidationsschritte oder Spülschritte erweitert werden. Je nach Größe der Anlage sind die Selektivaustauscher mit Ausrüstungen zum Regenerieren/Konditionieren vor Ort ausgerüstet oder werden in der zentralen Regenerationsstation in 92348 Berg regeneriert. Soweit sich nicht behandelbare Teilströme in Abwasseranlagen befinden sollten, können diese selektiv einem Verdampfungsprozess zugeführt werden.

Die sensortechnische Auslegung kann analog oder digital z.B. per Memosens-Sensorik ausgeführt werden.

Neben den technischen Anforderungen an die Auslegung der Abwasseranlage aus den Anhängen der AbwasserVO bzw. der Satzung von kommunalen Kläranlagen/Klärwerke können auch weitere Voraussetzungen an den Betrieb der Abwasseranlage bzw. das Betreiberpersonal gelten, die berücksichtigt werden müssen (z.B. DWA-M 1000 hinsichtlich der Überwachung von Fremdpersonal und Schulungen des eigenen Personals).

Produkte

Eine industrielle chemisch-physikalische Abwasserbehandlungsanlage ist stets genehmigungspflichtig, dies gilt auch für Teile dieser Anlagen wie z.B. nur ein Selektivaustauscher bei sehr geringen Einleitmengen und geringen Belastungen. Der Betrieb der chemisch-physikalischen Abwasseranlage erfordert stets Fachpersonal.

  • Kundenspezifische Auslegung auf die vorgeschalteten Produktionsprozesse und das Budget ausgehend von einer halbautomatisierten, funktionalen Basisausführung bis zur automatisierten und remoteüberwachten digitalen Ausführung mit Auswertemöglichkeiten.
  • Anpassung an die ggf. vorhandene Steuerungstechnik und Anbindung an ein Prozessleitsystem und die vorhanden baulichen Gegebenheiten am Standort bzw. der Einbringung zum Standort
  • SPS Schaltung Siemens mit/ohne Touchdisplay, Rechnersteuerung auch mit der Option auf externe Zugriffsmöglichkeit
  • Energieoptimierte Auslegung gem. § 3 Abs. 2a AbwV
  • Kunststoffbau PP für Chargenbehälter mit Schrägboden zur vollständigen Entleerungsmöglichkeit, PE für Lagertanks, PP bzw. PVC Verrohrung.
  • Entkoppelte Rührwerke optional.
  • Berücksichtigung der Energieeffizienzanforderungen für Abwasseranlagen
  • WHG-fachbetriebspflichtige Befestigungen in WHG-Flächen per WHG-Dübel optional.
  • Rohrleitungen und Armaturen in PVC oder PP der Hersteller GF, GEMÜ (pneumatisch oder elektrisch) oder nach Kundenanforderung; im Übrigen Ausführung mit Standard-Industriekomponenten ohne Sonderelemente soweit möglich.
  • Arbeitssicherheitsoptimierte Anlagenauslegung
  • Anlagenaufbau für einen arbeitssicherheitskonformen Betrieb auch bei typischen Fehlanwendungen
  • Desinfektionsmöglichkeit optional
  • Möglichkeit der Vorabnahme und des Probebetriebs in der eigenen Werkstatt, Montage vor Ort durch eigenes Personal
  • Schulung an der eigenen Anlage oder auf der betriebsinternen Abwasseranlage
  • Modulare, wartungsfreundliche Bauweise nach Kundenanforderung mit diversen optionalen Erweiterungsmöglichkeiten, z.B. um Vorlagetanks zum separaten Sammeln von sauren/alkalischen Abwässern, Chemikalienlagertanks als Dosierstationen oder als AwSV LAU-Anlagen, Auffangwannen, einfache Beschickungs- bis redundante FU-Duplex-Druckerhöhungsstationen, Druckdifferenzanzeigen an Mehrschichtfiltern, tatsächliche Verbrauchs- und Produktionsdatenerfassung, Anlagenzugriffskontrolle, Ventilstellungsrückmeldung, Redundante pH-/Redoxsonden, analoge oder digitale Memosens MSR-Technik.

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